Das Grauen....
1. Mail von Antje:
Antje Perlwitz schrieb uns am 14. Dezember 2002:
"Barcelona:
...Die Dame, die mich anrief emfping mich in einem riesigen Apartment, voll von
Antiquitaeten, riesige Raeume voll von Baenken und Sesseln und Stuehlen, dunkles
Holz und Rot, die Waende voll von Gemaelden, antike Buecher stapelten sich auf
alten Holztischen, hundert Personen haetten sich problemlos setzen koennen, aber
wir waren allein, bis auf einen Kater, der in aller Ruhe die Wohnung markierte,
so dass ein beissender Geruch dominierte. Sie machte sehr deutlich, dass sie aus
adliger Familie sei und ihre Verwandten in Ehen mit den wichtigsten
Koenigshoefen Europas.
Nach einiger Zeit die sie mich warten liess um ihre Frisur zu richten,
verliessen wir das Haus um im Nachbargebauede die Hunde zu sehen.
Mich erwartete ein langer Hausflur, in dem an die 20 Katzen, gut genaehrt und
gepflegt, sassen, eine Portiersfrau den Boden wischte, eine andere Frau mit ihr
tratschte, eine schoene Afghanenhuendin kam aus der Tuer heraus und liess sich
den Kopf streicheln, danach ein kleiner lichtloser Innenhof, auf den 2 Tueren
gingen, daneben eine etwa 40 cm hohe und 80 cm lange Oeffnung als Fenster.
Dahinter wuerden sich die Hunde befinden, aber man koenne da nicht reingehen.
Nun gut, irgendwann schloss die Portiersfrau mir dann
doch auf, im Dunkeln - Licht gibt es dort weder natuerliches noch elektrisches -
orientierte ich mich mit der Taschenlampe, um mich rum rannten sechs verwirrte
und klaeffende schwarze Hunde, die sich vor Angst in Ecken zu verstecken
suchten. Die Wohnung war etwa 30 qm gross. Es dauerte ein wenig, ehe ich mich
genug orientieren konnte um zu bemerken, dass unter meinen Fuessen kein
Betonboden sei, sondern ich auf einer harten Kruste stand, etwa 5 cm hoch, die
auf den ersten Blick wie eine Schicht festgetretener Exkremente wirkte - je
laenger ich guckte, um so deutlicher wurde, dass Fellstuecke in diese Kruste
miteingearbeitet seien, und einige Zeit spaeter sah ich auch die Knochen in der
Kruste - und am Rande lagen Schaedel - all dies waren Teile verwester Hunde die
dort gestorben waren! Ich stand auf einer Kruste aus Exkrementen und toten
Hunden.
Im groessten Raum befand sich auf dem Boden etwas, was einmal eine Art Matratze
gewesen sein koennte, mit festgepappt in diese Kruste aus Tod und Exkrementen,
an einigen Stellen auch hinausragend - dies war anscheinend das Bett und ausser
einer Anrichte die sich dort noch befand, das einzigste Moebelstueck.
Der Besitzer der Hunde muss dort geschlafen haben.
Insgesamt konnte ich 4 Schaedel von Tieren finden, die irgendwo am Rande
herumlagen.
Die Nachbarn erzaehlten, dass der Mann schon lange dort wohne, und ab und an
haette er in einem Sack einen toten Hund hinausgetragen - scheinbar nicht
alle....unter der Tuer seien weisse Wuermer hervorgekrochen, die aber
offensichtlich inzwischen schon alles verwertet haben, was an organischer
Materie zu verwerten war.
Da die Wohnung nur diese eine Fensteroeffnung zum Innenhof hin hat, ist
verwunderlich, wie der Geruch der drinnen verwesenden Hunde nicht auf staerkere
Proteste gestossen ist.
Die Hunde selbst machen einen verstoerten und aengstlichen Eindruck, bis auf den
offensichtlich sehgeschaedigten und total verklebten Hund der auf einem der
Fotos zu sehen ist, wirken sie aber nicht krank.
Wir verblieben, dass ich den Wagen holen wuerde, um die Hunde herauszuholen.
Kurz danach rief mich die adlige Dame wieder an, sie haette - ganz ueberraschend
- eine Loesung fuer die Hunde gefunden, ich brauche mich nicht zu bemuehen. Dies
machte mich wiederum aeusserst misstrauisch, so dass ich mit einem unserer
Mitstreiter, Pere, verabredete, so schnell es ginge zurueckzukehren um die Hunde
zu holen.
Als wir dort ankamen, hatte sich die Portiersfrau ueberlegt, die Hunde doch
nicht zu uebergeben aus Sorge um rechtliche Probleme, da ja auch das Amt des
Bezirkes eingeschaltet sei. Der zustaendige Beamte haette allerdings trotz
vielfacher Anrufe bisher waehrend mehrerer Tage noch nicht erreicht, dass die
Hunde dort rausgeholt wuerden.
Immerhin versorge sie die Hunde in der Zwischenzeit mit Futter und fuehle sich
verantwortlich in rechtlicher Hinsicht.
Minuten spaeter kam die adlige Dame. Diese wiederum wunderte sich ueber unsere
Anwesenheit und erklaerte, dass sie 5 Hunde in ein Tierheim und einen zu
Bekannten bringen wolle.
Die Portiersfrau lotste uns zur Seite und riet uns, der adligen Dame keinen Hund
zu geben, weil diese selbst Katzen mit einer Schnur angebunden halte.
Da wir die Bedenken der Portiersfrau wegen einer Herausgabe der Hunde
respektieren mussten, konnte Pere die Situation nur besichtigen um
festzustellen, dass er mit seinen ueber 60 Jahren noch nie so etwas gesehen
habe. Wir beschlossen bis Montag abzuwarten.
Jetzt, zu Hause und nach einem langen Bad, das ich am liebsten in
Desinfektionsmittel genommen haette, und nachdem ich mir die Fotos nochmal
angeschaut habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir nicht bis Montag
warten wollen.
Wahrscheinlich ist es diesen Hunden, die noch nie die Strasse gesehen haben,
sogar egal, ob sie bis Montag weiter dort leben oder nicht, wahrscheinlich haben
sie nie etwas anderes kennengelernt.
Aber ich kann nicht mit dem Gedanken schlafen gehen und kann nicht hinnehmen,
dass es wirklich moeglich ist, Tiere unter diesen Bedingungen zu halten, ohne
dass irgendeine Behoerde dieser Stadt in der Lage sei, sie daraus zu befreien.
Habe grade die Polizei angerufen, und mal gucken wie jetzt die Nacht weitergeht.
Wer etwas fuer die sechs tun moechte moege sich bitte mit mir in Verbindung
setzen - insbesondere der aeltere verfilzte Hund wird es schwer haben, sein
Kiefer ist schief und seine Augen wohl nicht mehr so gut.
Wer traut sich zu, einem dieser Hunde ein Zuhause oder eine vorübergehende Pflegestelle anzubieten?
Wer für die Versorgung dieser Hunde (v.a. Tierarztkosten) spenden möchte (worüber wir sehr sehr dankbar wären):
Zwerge in Not e.V.
Deutsche Bank 24
BLZ 100 700 24
Kontonr. 354 66 60
Verwendungszweck: RAVAL (bitte nicht
vergessen!!)"
Kontakt:
Antje Perlwitz
Email: antje@barcelona-gats.org
00 34-696-588 570 (Barcelona-Spanien)
| Bilder des Schreckens - entsetzlich, was diese armen Kreaturen erleiden müssen - für manche kommt die Hilfe schon zu spät |
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2. Mail: Neuigkeiten vom 15. Dezember
Antje schrieb uns:
"Sie sind draussen -
gestern Nacht noch kam die Polizei, aber es liess sich erstmal nicht loesen.
Heute Mittag gingen wir dann auf die zustaendige Wache - erstmal waren sie nicht
zustaendig - danach wollten sie nichts tun - danach haben sie mich erstmal
angemeckert, weil ich illegale Fotos gemacht haette -- sie waren allen Ernstes
mehr mit dem Fakt, dass die Fotos illegal seien beschaeftigt (Privat-Haushalt)
als damit, dass auf den Fotos lauter Schaedel und Knochen von Tieren
rumlagen......letztendlich, nachdem wir einige Male sehr tief Luft holen
mussten, wir ihnen zum fuenften Mal erklaerten, wie es zu loesen sei (das hatten
mir die durchaus kluegeren oder gutwilligeren Polizisten nachts, die ob der
Fotos durchaus begriffen, worum es ging, naemlich erklaert) haben sie geschafft
sich durchzuringen und uns 2 Beamte mitzugeben. Wir haben durch die Portiersfrau
den Namen und die Adresse des Krankenhauses des Wohnungsbesitzers rausbekommen
und die beiden Beamten - die recht jung und sehr nett waren - sind dann
hingefahren und haben ihm in schoensten Farben geschildert, wie nett das Leben
seiner Hunde sein wuerde. Er hat wirklich unterschrieben, dass seine Hunde
"freigegeben" seien. Damit wiederum hat die Polizei die Ambulanz der Perrera
benachrichtigt und die sind irgendwann - inzwischen war es 20 Uhr - gekommen.
Die beiden Maedels der Ambulanz waren fix und fertig als sie da mit rein mussten
und werden wohl keine schoene Nacht haben.
Ein kleines verfilztes Fellbuendel freute sich ueber unsere Ankunft, man konnte
sehen dass er es nett fand endlich mal Besuch zu kriegen und er wedelte brav die
ganze Zeit mit dem Schwanz. Die anderen Hunde rannten in Panik durch die Bude
und wollten sich auf keinen Fall einfangen lassen, nur der Opi mit den
verklebten Haaren und der schiefen Schnauze sah die Sache gelassen. Ich habe
noch wesentlich mehr Knochen und Schaedel entdeckt als wir gestern wahrgenommen
haben, die Matratze war sogar mal ein Bett, es gibt noch ein Stueck Eisenrahmen,
aber irgendwann ist das alles zusammengebrochen. Darunter lagen auch noch
verwesende Hundeteile.
Es dauerte ueber 2 Stunden ehe wir alle Hunde hatten, einige kleinere Bisswunden
inclusive, und sie erwuergten sich fast an den Leinen. Aber letztendlich haben
wir sie dann alle gekriegt, einer der Beamten blieb die ganze Zeit und half uns,
er war wirklich nett und meinte, er freue sich, dass endlich mal eine seiner
Taetigkeiten Sinn habe.
Der Opi mit der kaputten Schnauze, "Yoshua", ist bei mir geblieben, die anderen
sind erst mal alle in die Perrera hoch, wo wir sie in den naechsten Tagen
abholen werden."
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Yoshua:
Als ich runterging um Yoshua aus dem Auto zu holen, sass er
mit grossen Augen aus dem Rueckfenster blickend und die Nachtschwaermer des
Wochenendes beobachtend da. Er blieb so ganz lange sitzen und wollte erstmal nur
alles ganz lange ansehen und in seinen Augen spiegelten sich all die Gedanken
die er sich zu seinen Beobachtungen machte und viele Fragen.
Yoshua ist ein ganz ruhiger und wundervoll nachdenklicher Hund. Er guckt sich
die Welt mit ganz ruhigen Augen an, braucht viel Zeit um alles anzusehen und zu
begutachten, man kann ihm ansehen wie interessant er alles findet. Manchen
Dingen widmet er ganz besonders viel Aufmerksamkeit - seinem Spiegelbild im
Aufzug, am Schoensten aber fand er 6 Damen die in einem Cafe am Tisch sassen und
miteinander tratschten - lange blieb er vor dem Cafefenster stehen um das
Szenario zu betrachten.
Wahrscheinlich ist Yoshua gar nicht so alt wie wir glaubten - seine Zaehne
machen einen recht guten Eindruck, es ist nur als ob ein Unfall seinen Kiefer
verschoben hat.
Ich hatte geglaubt, er wuerde sich voller Begeisterung auf alles Essbare
stuerzen, aber alle Angebote interessierten ihn nicht und ich konnte ihn nicht
zum Essen bewegen.
Yoshua wuenscht sich jemanden, der seinen Charme und sein bezauberndes Wesen
versteht, der seine langsame Weise die Dinge zu entdecken unterstuetzt und ihm
ein treuer Begleiter zu sein in der Lage ist. Wer mit Yoshua sein Herz teilt
wird ganz sicher einen ganz besonderen und tiefsinnigen Freund fuer's Leben
gewinnen.
Yoshuas erster Tag "im LEBEN":
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Yoshua durfte
heute mit nach Terrassa zu einer Hundeschau von Tierschutzhunden - sein erster
Ferienausflug sozusagen - alle Leute waren betroffen von seinem Schicksal
(adoptiert hat ihn natuerlich keiner...) - Yoshua ist einfach klasse und bereist
die Welt mit viel Ruhe und Gemuet und freundlicher Neugier. Er ist zu allen
nett, auch zu allen Hunden und erstaunlich ausgeglichen.
Danach ging's nach El Moli zur Schermaschine und Schere......und morgen zum TA -